PROJEKT: FH (7)

Puh, der erste Überarbeitungsgang ist durch und damit der härteste Arbeitsschritt geschafft. Spätestens jetzt bin ich ein Fan meiner Geschichte - das liegt in der Natur der Sache. Aber was der Autor in seiner Betriebsblindheit gut findet, muss noch lange nicht dem Leser gefallen.

An diesem Punkt kommen meine hochmotivierten und unersetzbaren Testleser ins Spiel. Eine zweite Meinung ist in dieser Phase des Schreibens sehr wichtig für mich, denn inzwischen beschäftige ich mich seit sechs Monaten mit meinem Text; und jeder, der sich schon einmal an ein längeres Projekt gewagt hat, kann bestimmt nachfühlen, wie es ist, die Objektivität zu verlieren, weil der nötige Abstand fehlt. Man hat schon so viel Schweiß und Herzblut in seine Arbeit gesteckt, dass man sie nicht mehr nüchtern beurteilen kann. Außerdem kennt der Autor seine Geschichte und die Charaktere mittlerweile so gut, dass ihm alles logisch erscheint. Infolgedessen kann es vorkommen, dass der Erzähler zu wenig ins Detail geht, weshalb der Leser die eine oder andere Stelle nicht verstehen kann.

Testleser zu sein ist gar nicht so einfach, wie es zunächst klingt. Denn es geht nicht darum, eine Geschichte zu lesen, sondern einen Text nach bestimmten Kriterien zu bewerten. Ist die Handlung plausibel? Ist die Motivation der Charaktere nachvollziehbar und logisch? Ist der Text verständlich und liest sich flüssig? Diese Fragen muss sich der Testleser während des Lesens stellen. Und dann auch noch gnadenlos ehrlich in einem Fragebogen beantworten. Das ist nicht immer leicht. Für beide Seiten. Ein Testleser ist schließlich derjenige, der den ersten Blick von außen auf die bis dahin wohlgehütete Idee des Autors wirft. Und das - ich kann’s euch sagen - ist eine echte Nervenzerreißprobe.

Das schreibende Volk verspürt immerzu den Drang, seine Texte wie seine Kinder zu verteidigen - was in diesem Fall absoluter Nonsense ist. Natürlich muss der Autor bei der Auswertung der Kritiken unterscheiden, was persönliche Vorlieben und was tatsächliche Schwachstellen des Textes sind, aber wer weiterhin eine ehrliche Meinung erwartet, sollte seinen Testleser nicht wie eine Dampfwalze mit wilden Rechtfertigungen plattbügeln. Vielmehr sollte er die Kritik, sofern sie konstruktiv ist, dankend annehmen und sich freuen, dass er die Möglichkeit bekommt, seinen Text vor Abgabe beim Verlag zu verbessern.

Theoretisch klappt das ganz gut bei mir. Glaube ich. Okay, nicht immer ...
Aber ich bemühe mich. Und da ich ohnehin die besten Testleser der Welt habe, verzeihen sie mir auch mal ein bisschen Gemecker 😉

An dieser Stelle ist ein herzliches Dankeschön an meine lieben Testleser fällig! Ihr wisst hoffentlich, wie sehr ich eure Mühe schätze 😘

Während mein Manuskript nun also gewogen, gemessen und bewertet wird, zittere und bange ich ob des Urteils. Um mich abzulenken, beschäftige ich mich in der Zwischenzeit mit meinem »Nebelmann«. Die düstere Phantastik-Novelle soll 2017 im Rahmen der Barden-Reihe im Arunya Verlag erscheinen. Und da ich hierfür bereits die Fragebögen meiner Testleser zurückerhalten habe, kann ich mich an die finale Überarbeitung machen. Das ist dann auch der nächste Schritt für mein »Projekt: FH« - bevor es mit dem Titel »Feindliche Herzen« ins Lektorat zu Bastei geht.

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